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An dieser Stelle erscheinen jeweils für eine gewisse Zeit kurze Nachrichten, Fußnoten, Kommentare, Berichte überwiegend über die Jiggel-Herde, gelegentlich über die Highland-Szene bzw. über die Highland-Züchter-Szene.

 

 

Eoin Mhor 2nd of Miungairigh

 

Am 16.2.2015 habe ich auf der Frühjahrsauktion der Highland Cattle Society in Oban Eoin Mhor 2nd of Miungairigh als neuen Deckbullen für die Jiggel Fold ersteigert. Der erste Kommentar eines deutschen Züchterkollegen zu diesem Kauf war: „Da bist Du Dir in Deiner Zuchtphilosophie aber selber untreu geworden.“ So sehr ich das Urteil dieses Züchters schätze, in diesem Punkt liegt er daneben: Eoin Mhor passt genau in mein persönliches Beuteschema und in den züchterischen Plan der Jiggel- Herde.

Der Erwerb dieses Bullen hat eine Vorgeschichte: als ich im Oktober 2010 die Ehre hatte zum Richten der großen „City of Glasgow International Highland Cattle Show“ im Pollok Country Park in Glasgow eingeladen zu sein, da wurden in der Klasse der älteren Bullen zwei mächtige Tiere aufgetrieben, die alle anderen Bullen in dieser Klasse weit in den Schatten stellten. Es waren zwei enorm typvolle, sehr korrekte, stark bemuskelte hell-rote Bullen mit viel Ausstrahlung, Präsenz, Ruhe. Beide Bullen sehr groß und schwer. Mir zogen beim Richten einen Moment die kontroversen Debatten in der Highland-Züchter-Szene durch den Kopf, dass die Richter immer die großen, schweren Tiere nach vorne richten; dass große Tiere nicht rassetypisch seien; dass wir keine haarigen Charolais züchten wollen. Ich habe mich daran erinnert, dass ich diese Debatte immer schon für vordergründig und am eigentlichen Punkt vorbei gehend gehalten habe, denn nicht die Größe, der Rahmen eines Tieres sind kritikabel, sondern die Vernachlässigung wichtigerer Gesichtspunkte zugunsten von Größe, Gewicht und Rahmen. Ich habe diese zwei Bullen an die erste und zweite Stelle gerichtet und den jüngeren Bullen später zum Male Champion gewählt, weil sie alles hatten, was man als Schaurichter sehen kann und möchte. Ich war nicht erstaunt, nach der Schau zu erfahren, dass es sich um Vater und Sohn handelte, Eoin Mhor of Miungairigh (damals sechs Jahre alt) und seinen Sohn Eoin Mhor 3rd of Mottistone. Ich habe mich über die Bestätigung meines Urteils gefreut, als einige Monate später in Oban Eoin Mhor 3rd of Mottistone Male Champion wurde und für 6000,- gns verkauft wurde. Sein Vater wurde auf derselben Auktion Klassensieger und wurde für 4800,- gns verkauft.

Weil mir die Zuchtgeschichte, die Herkunft, die Abstammung eines Tieres durchaus mehr bedeuten, als Exterieur, Körnoten, Schausiege und Preise habe ich mich seinerzeit daran gemacht, die Herkunft dieser zwei Bullen zu recherchieren. Ich bin dabei auf die „Dynastie der Eoin Mhors“ gestoßen, die ich hier vorstellen möchte, weil diese Recherche für mich lehrreich war und natürlich auch, weil ich stolz und erwartungsfroh bin, denn mein neuer Bulle Eoin Mhor 2nd of Miungairigh ist ein herausragender Vertreter dieser Dynastie.

Wie das bei Dynastien meist so ist fängt auch die Geschichte der Eoin Mhors klein und unspektakulär an: der Namensvater Eoin Mhor of Beinn-Latha-Ur betrat die Highland-Szene nicht mit einem Paukenschlag, sondern eher durch die Hintertüre. Dieser Bulle war im Februar 2000 Dritter in seiner Klasse und außer dem Richter und dem Herdsman der Torloisk Fold auf Mull hat offenbar niemand das Potential dieses Bullen gesehen und so ging er für ganze 500,- gns nach Torloisk. Er hat hier volle vier Jahre gedeckt, bevor er, jetzt als Altbulle mit einer Reputation und respektablen Zuchterfolgen für die nächsten acht (!) Jahre weiterging in die Kynedor Fold. 

Aus den Jahren auf Torloisk stammen die Vollbrüder Eoin Mhor of Torloisk und Eoin Mhor 2nd of Torloisk. Der ältere Bruder, wie sein Vater ein zunächst verkanntes Genie, ging mit zwei Jahren für nur 1000,- gns in eine unbeschriebene Herde, der jüngere, Eoin Mhor 2nd of Torloisk, war dagegen der erste Bulle aus dieser Linie, der gutes Geld kostete und 2004 für 3500,- gns in die renommierte Cladich Fold ging und dort beachtliche sechs Jahre im Einsatz blieb.

Die Herde von Torloisk, eine der fünf großen alten Zuchtstätten auf der Insel Mull, wurde um 2004 aufgelöst. Der Herdsman von Torloisk, Angus MacColl, der diese Position von seinem Vater übernommen hatte, konnte einige Kühe aus der alten Torloisk Herde in seine eigene kleine neu gegründete Herde, die Miungairigh Fold, übernehmen und wechselte mitsamt seiner eigenen Herde als neuer Herdsman nach Glengorm, eine andere große Herde auf Mull. 2006 entdeckte er den selbstgezüchteten Eoin Mhor of Torloisk wieder und kaufte ihn für Glengorm. Der Bulle war hier fünf Jahre im Einsatz und traf hier in der Miungairigh Fold auch auf einige der bewährten Torloisk-Kühe, bevor er nahtlos von seinem eigenen Sohn, Eion Mhor 2nd of Miungairigh (mein stolzes Prachtstück!), für weitere vier Jahre abgelöst wurde.

Die Erfolgsgeschichte der Eoin Mhors kommt ab 2006 langsam in Schwung, wenn auch zunächst noch nicht in Form von Schau-Triumphen und hohen Preisen, sondern in der Weise, dass die züchterische Qualität dieser Bullenlinie inzwischen erfahrenen Züchtern, die solche Qualität erkennen, auch wenn kein Preisschild dran hängt, auffällt, so dass Eoin Mhors nun zunehmend auch in anderen renommierten schottischen Herden Fuß fassen. Waren diese Bullen, die offenbar häufig Spätentwickler sind, bisher noch überwiegend Entdeckungen und Schnäppchen sachverständiger Züchter, so bringen sie ab 2011 zunehmend auch gute Preise auf den Auktionen, zumal da sich zeigt, dass die Züchter, die früh die Qualitäten der Eoin Mhors erkannt haben (Cladich, Kynedor, Knockendon, Glengorm, Mottistone) einen guter Griff getan haben und über die Töchter z.T. spektakuläre Enkel auf den Markt bringen. 2012 etwa gehen zwei Miungairigh-Bullen aus dieser Linie für viel Geld nach Finnland, und auch James Beusach of An Sidhean, ein neu aufgestellter Besamungsbulle ist ein Eoin Mhor- Enkel (aus einer Torloisk-Kuh). Ein gutes Beispiel dafür, wie sich zunächst verkannte Qualität schließlich auch in Anerkennung und Preis niederschlägt ist Eoin Mhor of Miungairigh, der 2006 für ganze 900,- gns ersteigert wurde und in die Mottistone Fold ging. Nach einem sehr erfolgreichen mehrjährigen Deckeinsatz und einer erfolgreichen Schausaison 2010 erzielte er als Altbulle in Oban 2011 4800,- gns und wechselte als inzwischen Zehnjähriger 2014 noch einmal für 4500,-gns den Besitzer. Eoin Mhor 2nd of Miungairigh war 2011 in Oban Sieger in seiner Klasse und erlöste 4200,- gns, als er von Glengorm ersteigert wurde und ein Sohn, Eoin Ruadh 2nd of Glengorm, 2014 Male Champion in Oban, ging für 5000,- gns in die Glamis Castle Fold.

Es übersteigt die Absicht dieser Darstellung bei weitem, die Qualitäten von Eoin Mhor of Beinn-Latha-Ur als Stempelbullen über seine erfolgreichsten Söhne Eoin Mhor of Torloisk und Eoin Mhor of Miungairigh und einige väterliche Enkel hinaus im Detail auch über die Töchter und Enkeltöchter nachzuzeichnen. Eoin Mhors haben in den vergangenen zehn Jahren in vielen sehr renommierten Herden gedeckt, in großen kommerziellen Herden und in kleinen feinen Herden und in manchen Herden weit über die üblichen 3-4 Jahre hinaus. In manchen Herden folgte ein Sohn auf seinen eigenen Vater oder Großvater, all dies Belege dafür, dass hier nicht eine Schau-Mode, sondern sehr nachhaltige züchterische Qualität über mehrere Generationen hinweg zum Tragen kommt und von vielen sachverständigen Züchtern anerkannt wird. Eoin Mhors waren in diesen Jahren u. a. in Achnacloich, Brue, Cladich, Cnoc, Corriemuckloch, Culfoich, Glamis Castle, Glengorm, Glen Nevis, Hellifield, Knockendon, Kynedor, Mottistone, Torloisk, Whitslaid, Woodneuk – um nur die bekanntesten Herden zu nennen – im Einsatz.

Ein Stempelbulle ist ein Bulle, der seine Qualitäten mit großer Sicherheit und Konstanz vererbt, ein Bulle, dessen Nachzucht einheitlich ist und qualitativ nur wenig streut und dessen Einfluss auch über die F1-Generation hinaus noch deutlich ist. Der patronisierende Schmunzelmacho-Satz, wonach hinter jedem erfolgreichen Mann eine starke Frau steht, trifft in der Rinderzucht das Geheimnis der Vererbungssicherheit : hinter einem starken Bullen steht eine starke Mutter, eine starke Großmutter. Die Vererbungssicherheit kommt zustande, wo die männlichen Vorfahren eines Tieres, jeweils aus stabil durchgezüchteten Mutterlinien stammen und sie wächst, je mehr sich diese Mutterlinien in Bezug auf Herkunft, Haltungsbedingungen, Zuchtphilosophie ähnlich sind. Ein sachkundiger Blick auf die Pedigrees von Eoin Mhor of Beinn-Latha-Ur, Eoin Mhor of Torloisk, Eoin Mhor 2nd of Miungairigh zeigt, wo bei diesen Eoin Mhors die Vererbungssicherheit herkommt und warum und wie sie von einer Generation auf die nächste stabilisiert und weiter ausgebaut wurde.

Ich habe oben angemerkt, dass Eoin Mhor of Beinn-Latha-Ur die Szene durch die Hintertür betreten hat. Gleichwohl überrascht es nach einem Blick auf sein Pedigree nicht, dass ein Großer aus ihm wurde. Eoin Mhor of Beinn-Latha-Ur stammt väterlicherseits von dem legendären Jock of Cullerne (über den ein eigenes Kapitel zu schreiben wäre) aus einer Princess-of-Leys- Kuhlinie ab und mütterlicherseits entstammt er der nicht minder legendären Kuhfamilie der Dossan Ruadhs von Coirefuar/Edentaggart/Strathallan/Douneside. 

Sein Sohn, Eoin Mhor of Torloisk stammt aus der Mutterlinie der Claras of Torloisk und dessen Sohn wiederum, mein Eoin Mhor 2nd of Miungairigh, entstammt der Familie der Frangags of Torloisk. Diese zwei Mutterlinien waren die bewährtesten Mutterlinien der alten Torloisk-Herde und bei ihrer Auflösung konnte Angus MacColl Clara Beg 2nd of Torloisk (die Mutter der zwei Eoin-Mhor-of- Torloisk-Vollbrüder) und Frangag Banarach 4th of Torloisk (die Mutter von Eoin Mhor of Miungairigh, Eoin Mhor 2nd of Miungairigh und von nicht weniger als vier weiteren starken Bullen von anderen Vätern) als Grundstock in seine eigene kleine Miungairigh-Herde übernehmen. Der Vater von Frangag Banarach 4th of Torloisk war Iain Og 2nd of Pennygown, hinter dem ebenfalls eine stabile Mutterlinie steht.

Ich habe Ihnen dieses ganze Gewimmel von Namen und Querverbindungen – Sie haben es ja bis hierher freiwillig gelesen – so ausführlich nicht nur deshalb dargestellt, weil ich meinen neuen Bullen der interessierten Öffentlichkeit im besten Licht präsentieren möchte, sondern weil ich an dieser Recherche beispielhaft gelernt habe, dass es beim Lesen eines Pedigrees nicht so sehr auf die kindliche Freude ankommt, dass einem möglichst viele renommierte Namen entgegen purzeln. Es kommt entscheidend darauf an, wie diese renommierten – und auch weniger renommierte - Namen angeordnet sind. Ich habe das mit der Darstellung einheitlich durchgezüchteter Mutterlinien versucht anschaulich zu machen. Und es kommt außerdem darauf an, den formalen Aspekt langer Mutterlinien mit Inhalt zu füllen, in diesem Fall also zu wissen, wofür steht Torloisk/Miungairigh, wofür Pennygown und Glengorm, wofür Dossan Ruadh.

Torloisk, Pennygown, Glengorm (wo zwei Eoin Mhors, Vater und Sohn, insgesamt neun Jahre lang ins züchterische Konzept passten), das sind (zusammen mit Auchnacraig und Callachally) die großen alten Herden auf der Insel Mull und sie stehen für

Klima und Weideverhältnisse der Inneren Hebriden,

Kommerzielle landwirtschaftliche Betriebe, in denen Highland Cattle als Nutzvieh gehalten werden und Teil eines wirtschaftlichen Gesamtkonzepts sind,

Lange Kontinuität in der züchterischen Arbeit,

Highland-Kompetenz der Züchter und Herdsmen von Kindesbeinen an.

Die Dossan Ruadhs schließlich sind eine Legende aus den vergangenen Tagen der großen Herden von Strathallan und Douneside, eine Linie, die mit züchterischer Leidenschaft fortgesetzt wurde von Angus R. Mackay in seinen Herden von Edentaggart und Coirefuar. Auch Strathallan und Douneside waren kommerzielle Herden, geführt von Urgesteinen der Highland Zucht.

Was ich als die Dynastie der Eoin Mhors bezeichnet habe ist in Wahrheit die Summe der soliden stabilen Mutterstämme, die allesamt ein sehr ähnliches Profil haben und die dem Gesamtbauwerk dieser Dynastie Generation für Generation immer wieder einen veredelnden Anbau hinzu gefügt haben

Um auf den anfangs erwähnten Kommentar des deutschen Züchterkollegen in Oban und das Beuteschema der Jiggel Fold zurück zu kommen: unsere Herde liegt nicht auf den Hebriden – das wär´s gewesen – aber wir haben uns bemüht, immer wieder harte Westküsten/Hebriden-Genetik in unsere Herde zu holen, aus kommerziellen Herden, aus stabilen Mutterlinien und aus kompetenter Züchterhand und das trifft in besonderer Weise für Eoin Mhor 2nd of Miungairigh zu. Wir hoffen, dass zum züchterischen Plan in den kommenden Jahren auch das notwendige züchterische Glück kommt und dass die Jiggel-Kühe als Hebriden-Außenstelle hier einen weiteren kleinen Veredelungsbaustein beisteuern werden.

 

PS: Um diese Frage gleich vorweg zu nehmen und zu beantworten: Nein, ich habe gar kein Problem damit, dass die Eoin Mhors in Schottland weit verbreitet sind. Ich habe kein Problem damit, dass ich mich in sehr guter Gesellschaft befinde. In Deutschland gibt es nicht viele Tiere, die dieser Linie entstammen. Und selbst wenn irgendwo ein Eoin-Mhor-Enkel auf einen anderen Eoin-Mhor-Enkel treffen sollte, dann kann das eine exzellente und gezielt herbeizuführende Linien-Anpaarung sein. Der gegenwärtige Deckbulle der Herde von Achnacloich, Eoin Mhor 10th of Mottistone, beispielsweise, ist ein solcher Linienzucht-Enkel über eine Frangag of Torloisk auf der einen, und eine Clara Bego f Torloisk auf der anderen Seite.

 

PPS: Unser reinerbig schwarzer Bulle Balach Dubh of Clach-Na-Gruagach hat noch keineswegs ausgedient. Er ist 2015 noch voll im Einsatz und wir werden ihn auch in den folgenden Jahren weiter gezielt einsetzen. 

  

 

  

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